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Jazz´N´More über NOW IS THE MUSIC

 

Für Martin Kern zählt der Moment. Und zwar der, in dem der Ton entsteht, sich entfaltet und ausbreitet. Fahrt aufnimmt, Energie entwickelt und im gleichen Moment freisetzt. Jeder dieser Momente wird bei Martin Kern ein magischer. Einer, in dem Musik berührt und den Wunsch weckt, alles von diesem Künstler hören zu wollen. Stilistisch ist der Saxophonist irgendwo zwischen Modern Jazz und Hardbop zu verordnen. Sein Klang ist voller unverwechselbarer Leidenschaft und sein Spiel zeichnet eine besondere Raffinesse aus. Jeder seiner Töne fügt sich perfekt ein in das Bandgefüge. Er bedient sich grandios der Kraft der zwei Bläser, animiert Ed Schuller dazu, seinen Bassnoten das Tanzen beizubringen und lässt sich von Kenny Martin, dem legendären Schlagzeuger der Funkband Defunkt, munter treiben. Meisterhaft vereint er Klarheit und Emotion. Obwohl alles so durchdacht klingt, verliert Martin Kern nie seine Spontanität. Besonders hervorzuheben ist seine nuancenreiche Intimität im Leisen. Seine intensiven Klängen und seine breite Palette an Klangfarben bedürfen keines erklärenden Beipackzettels. Sie wirken einfach. Unmittelbar. Und mehr kann niemand von Musik erwarten.

Concerto über LIVE AT THE RADIOCAFE

Letzten Oktober nahm der Tenorsaxophonist Martin Kern mit einem Sextett im Wiener RadioCafe diese faszinierende CD mit 8 Eigenkompositionen auf. Kern bewegt sich in den Bereichen Bebop, Hardbop und Latin und beweist, wie reif und selbstsicher er „seinen“ Jazz zu präsentieren vermag. Mit hochkarätigen Kollegen schuf er sich das passende musikalische Umfeld, um seine solistischen Eskapaden und expressiven Klangbilder realisieren zu können. Ein Aufsteiger der letzten Monate aus dem Umfeld von Lukas Kranzelbinder, Mario Rom, bläst die Trompete, Johannes Strasser (b) und Joris Dudli (dr) sind ohnehin unangefochtene Größen der europäischen Jazz-Szene. Überraschungen bereitet uns der Niederösterreicher Kern mit dem Veteranen Reggie Moore am Piano, der aus New York stammt, jedoch schon ewig in Berlin aktiv ist, und dem senegalesischen Perkussionisten Assane Fall, der 3 Titel, z.B. „Chasing The Sun“, mit seiner Talking Drum dekoriert; passt wunderbar. Moore, im nächsten Jahr 80, und Mario Rom stehen dem Bandleader keinen Deut nach, wenn es um ausgedehntes Solieren geht, bei dem jedoch stets eine variantenreiche Spannung gehalten wird. Ein weiterer bemerkenswerter Anspieltipp wäre noch „Dig Deep“, bei dem Kern besonders deutlich seine exakte Phrasierung bei rasantem Tempo unter Beweis stellt. Ein erfreuliches Album auf höchstem Niveau!

Concerto über NOW IS THE MUSIC

 

Gegenwärtig scheint es so, als müsste man den Jazz mit verschiedensten Mitteln einfärben, um erfolgreich zu sein. Da gibt es Möglichkeiten en masse. Der Vorteil daran ist, seinem Jazz, relativ einfach, eine persönliche Farbe zu geben. Schwieriger ist dies mit den herkömmlichen Mitteln des Jazz zu erreichen, mit Kompositionen, Improvisationen, die ganz tief in der Tradition des Jazz der Bebop Generation wurzeln. Martin Kern, der Schweizer Tenorsaxophonist, der auch einige Zeit in Wien beheimatet war und zur Zeit in Berlin lebt, hat das grosse Talent, scheinbar ohne grosse Mühe, Jazz Tunes zu schreiben, die Bestand haben und von seiner Band grossartig umgesetzt werden können. Kern phrasiert, mit vollem Ton, ungemein versiert und sicher, erinnert dabei an die grossen Meister Parker, Rollins u.s.w. und erhält damit einen Musikstil am Leben, ohne den der Jazz kaum eine weitere Entwicklung hätte nehmen können. Martin Kern, tsax, Christian Grabandt, tb, Michelangelo Mazzari, p, Ed Schuller, b, und Kenny Martin, dr, spielen Bebop und Balladen und folgen dabei dem Motto des Albums: Now Is The Music!!!

Passauer Jazzfest 2018

mit Carlton Holmes (p), Wolfram Derschmidt (b) und Klemens Marktl (dr)

Long tall Marty war in Passau und mit ihm ein Hauch Dexter Gordon am Samstag bei der New York Jazz Night featuring Martin Kern auf der Jazzfest-Bühne im malerischen Rathaus-Innenhof....

Wer die Augen schloss, meinte stellenweise des wiedererstandenen Dexter Gordons alias Long tall Dex’s dezentes und doch voluminöses Spiel zu hören, oder das manchmal zickige, stets überaus melodische von Sonny Rollins. Dieser bewundernswert exakt phrasierende, große Kern hielt sich im Hintergrund. Oft ließ er seine drei Sidemen machen, um scheinbar nach Lust und Laune trefflich und frei wie die anderen wieder einzusteigen in dieses New York Jazz-Boot, das auf den Klangwogen hüpfte vor Spielfreude und Genuss der Akteure. Im zweiten Set konnte, wer wollte, bei "Chasin’ The Sun" eine supermoderne Rakete zur Sonne schießen sehen, oder aber einen mächtigen, eleganten Greifvogel sich kraftvoll emporschrauben, höher und immer höher zur Sonne, um sich zwischendrin im fast statischen Gleitflug zu erholen für die nächste, pfeilschnelle Feuerball-Attacke. Ein gelungener, ein inniger Gig von nimmermüden, frei denkenden Könnern, könnenden Freidenkern mit Passagen zum Träumen und welchen zum Headbangen und Tanzen.

Christine Pierach

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